"Wie erinnern wir uns an die DDR?"

Iris Gleicke
Die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Iris Gleicke, auf der Auftaktveranstaltung zur Veranstaltungsreihe
© Deutsche Gesellschaft e.V.
Iris Gleicke bei der Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe „Alte Länder, neue Länder – gemeinsame Herausforderungen und Perspektiven“ am 2. Dezember 2014 in Leipzig

Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe "Alte Länder, neue Länder – gemeinsame Herausforderungen und Perspektiven" am 2. Dezember 2014 in Leipzig

Auf der Auftaktveranstaltung am 2. Dezember 2014 diskutierte die Beauftragte der Bundesregierung  für die neuen Bundesländer, Iris Gleicke, mit Historikern und Bürgerrechtlern die Frage "Wie erinnern wir uns an die DDR?". Dabei ging es um Erfahrungen und zukünftigen Wege der Erinnerungskultur an die Vergangenheit. Vor 25 Jahren hatte sich Anfang Dezember 1989 erstmals in Leipzig  ein sogenannter "Runder Tisch" gebildet.

Im Impulsreferat der Veranstaltung stellte Dr. Stefan Wolle fünf Aspekte in den Vordergrund, die eine Erinnerungskultur erschwerten: Die DDR-Identität habe sich erst mit dem Untergang der DDR entwickelt und verstärkt. Er forderte eine Aufhebung der Einteilung in Gut und Böse im Unterricht. Es müsse mehr auf die Anpassungsprozesse der Bevölkerung eingegangen werden. Im Alltag seien viele Nischen und Spielräume vorhanden gewesen, die bisher nicht genügend beachtet würden. Ideologische Grabenkämpfe und Abgrenzungen seien nicht hilfreich. 

Die Künstlerin und DDR-Bürgerrechtlerin Katrin Hattenhauer betonte in der Diskussion, dass man die historischen Errungenschaften und den Kampf der Bürger um Freiheit nicht vergessen dürfe. Der französische Deutschlandforscher Prof. Dr. Henri Ménudier schilderte eindrucksvoll seine Beobachtungen bei den diplomatischen Begegnungen zwischen Frankreich und der DDR.

Iris Gleicke
Die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Iris Gleicke, auf der Auftaktveranstaltung zur Veranstaltungsreihe
© Deutsche Gesellschaft e.V.
Iris Gleicke bei der Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe „Alte Länder, neue Länder – gemeinsame Herausforderungen und Perspektiven“ am 2. Dezember 2014 in Leipzig

Die Ostbeauftragte, Iris Gleicke, berichtete von eigenen Erfahrungen mit dem Umgang mit der Vergangenheit und stellte fest, dass vor allem in der Familie mehr von den Lebensbedingungen in der DDR, insbesondere aber auch vom Alltag erzählt werden müsse. Gerade in der Familie gebe es einen  direkten und authentischen Zugang zur DDR. Bei der Aufarbeitung sei bislang vor allem in der Wissenschaft sehr viel getan worden. Man müsse aber den Blick erweitern und mehr ins Erzählen kommen: "Es wird zu oft in einfachen Kategorien gedacht. Das Thema DDR wird entweder dämonisiert oder sehr milde gesehen. Diejenigen, die den Großteil ihres Lebens in der DDR verbracht haben, wollen auch über den Alltag berichten. Sie wollen erzählen, wie ihre erste Freundschaft, ihre erste Liebe, ihre Erwachsenwerden, ihr Studium war. Gerade hier sind die Zwischentöne sehr wichtig."

Moderiert wurde der Abend vom MDR-Redakteur Jens Hänisch.