„Von wegen 'Mauer im Kopf'? – Jugend in Ost und West“

Für Jugendliche ist die Zeit nach der Wiedervereinigung entscheidend. Dies zeigte die Podiumsdiskussion in der nationalen Akademie der Wissenschaften in Halle (Saale) am 27. Mai 2015 in Halle

Bernd-Uwe Hermann
Referatsleiter im Arbeitsstab Neue Bundesländer im BMWi, Bernd-Uwe Hermann
© Deutsche Gesellschaft e.V.
Bernd-Uwe Hermann auf der Veranstaltung Von wegen »Mauer im Kopf«? Jugend in Ost und West

In einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Von wegen 'Mauer im Kopf'? – Jugend in Ost und West“ diskutierten Julia Scheffler, Landesvorsitzende der Jungen Union Sachsen-Anhalt, Andrej Stephan, stellvertretender Landesvorsitzender der SPD und Dr. Cordula Günther Dozentin im Department Medien- und Kommunikationswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Sie gingen dabei der Frage nach, ob es noch Unterschiede zwischen den Jugendlichen in Ost und West gibt und welche Gemeinsamkeiten zu erkennen sind.

In seinem Grußwort zur Veranstaltung erläuterte der stellvertretende Leiter der Außenstelle Halle des Deutschen Jugendinstitutes, Frank Tillmann, an, dass 25 Jahre sowohl der Zeitraum seit Wiedervereinigung als auch der Abstand zwischen zwei Generationen sei. Innerhalb dieser Zeitspanne sei weniger eine Angleichung des Ostens an den Westen zu beobachten, sondern vielmehr eine gegenseitige Modernisierung, die zudem noch gleichzeitig abgelaufen sei.

In ihrem Impulsvortrag konstatierte Dr. Cordula Günther, dass das Bild vom anderen zwar von den Medien geprägt sei, diese aber eine geringere Rolle spielten als eigene Erfahrungen. Diese seien weitaus prägender als die Medien.

In der Podiumsdiskussion waren die Diskutanten einhellig der Auffassung, dass es für die Jugendlichen kaum mehr eine Rolle spiele, ob man aus dem Osten oder dem Westen stamme. Vielmehr sei die gemeinsame Zeit nach der Wiedervereinigung entscheidend. Hier seien Nord und Süd sowie die Differenzen zwischen Stadt und Land aufgrund unterschiedlicher Lebens- und Arbeitswelten weitaus wichtigere Unterscheidungsmerkmale als Ost und West. Eine Identität als Ostdeutscher oder Westdeutscher rücke insbesondere bei der Generation, die die DDR nicht mehr bewusst erlebt hat weit in den Hintergrund. Dies fühle sich vor allem ihrer Heimat und Europa verbunden. Andere Zuschreibungen kämen vielmehr von außen, würden im Alltag nicht übernommen.

„Ich erlebe diese Mauer im Kopf nicht mehr. Bei jüngeren Generationen ist das sogar noch enger. Der einzige Unterschied ist vielleicht, die Bereitschaft, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Das mag im Osten sicherlich höher sein. Aber auch das gleicht sich schnell an.“, zog Julia Scheffler als persönliches Fazit.

Moderiert wurde die Diskussion von der Landeskorrespondentin von MDR-Info, Vera Wolfskämpf.

Die Podiumsdiskussion „Von wegen 'Mauer im Kopf'? – Jugend in Ost und West“ ist Teil der achtteiligen Veranstaltungsreihe "Alte Länder, neue Länder – gemeinsame Herausforderungen und Perspektiven", eine Kooperationsveranstaltung der Deutschen Gesellschaft und der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer.

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe finden Sie hier