Lebendige Zivilgesellschaft

Das Zusammenwachsen von Ost und West gehört zu den wichtigsten politischen Zielen der Bundesregierung. 40 Jahre Teilung haben in Ost- und Westdeutschland zu unterschiedlichen Erfahrungswelten geführt.

Deshalb gibt es auch nach mehr als 20 Jahren staatlicher Einheit und trotz vieler materieller Angleichungen noch deutliche Unterschiede zwischen west- und ostdeutschen Erfahrungshintergründe und Prägungen. Diese Unterschiede gilt es anzuerkennen und die verschiedenen Stärken der Menschen wertzuschätzen. Aus diesen unterschiedlichen Erfahrungen erwachsen neue Chancen für eine lebendige Zivilgesellschaft, die einen gewichtigen Beitrag zur Zukunft des Landes leistet. Neben Toleranz ist dabei auch aktives Handeln der Bürgerinnen und Bürger in der Gemeinschaft erforderlich. Nur durch bürgerschaftliches Engagement bleibt eine Demokratie lebendig.

Bürgerschaftliches Engagement zur Stärkung der Gesellschaft

Bürgerschaftliches Engagement ist ein zentrales Element einer lebendigen, pluralen und demokratischen Gesellschaft. Bürgerschaftliches Engagement ist ein Ausdruck von und Mittel zu gesellschaftlicher Integration und Teilhabe. Bürgerschaftliches Engagement beinhaltet, Verantwortung für eigene Belange zu übernehmen und die Bereitschaft, Verantwortung für Gesellschaft und Gemeinschaft mit zu tragen. Damit sind Motivationen und Kompetenzen gefordert, die auch durch politische Bildung vermittelt werden. Wenn Menschen die Möglichkeit haben, im Engagement Verantwortung zu übernehmen, kann gesellschaftliche Teilhabe gelingen. Das der Leitidee der "Bürgergesellschaft" verpflichtete Gemeinwesen stützt sich auf die ganze Bandbreite bürgerschaftlichen Engagements. Bürgerschaftliches Engagement stärkt gleichberechtigte Teilhabe, unterstützt Integration und trägt zur Bewältigung von Herausforderungen sowohl auf der gesellschaftlichen wie auch individuellen Ebene bei.

Für die Zukunft Ostdeutschlands wird das bürgerschaftliche Engagement immer wichtiger. Die mit der Eigeninitiative ausgelöste Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Gemeinde, ihrer Stadt und ihrer Region trägt in den ostdeutschen Kommunen zu einem positiven Lebensgefühl und zu einer aktiven Gestaltung des sozialen Umfelds bei.

Auch für den Kampf gegen Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus bedarf es einer starken demokratischen Gesellschaft mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Solidarische Netzwerke in den Kommunen, Vereine, Verbände, Stiftungen, Kirchengemeinden, Gewerkschaften, die demokratischen Parteien, aber auch Einzelpersönlichkeiten schaffen überdies eine Haltekraft, die der Abwanderung junger Menschen entgegenwirkt und Anreize für Zuwanderer bietet.

Der demografische Wandel ist für viele Regionen in den neuen Bundesländern zur großen Herausforderung geworden. Negative Folgen des Bevölkerungsrückgangs sind aber kein unabwendbares Schicksal. Die Bundesregierung gibt Impulse in der Familien-, Kinder- und Jugendpolitik, um die Realisierung des Kinderwunsches zu erleichtern und die Lebensqualität in den neuen Ländern zu erhalten und zu verbessern. Ziel ist es zudem, ältere Menschen als eine Bereicherung in der Arbeitswelt, in der Familie und in der Nachbarschaft voll zu integrieren.