„Immer die gleichen Klischees? Die Rolle der Medien vor und nach der Wiedervereinigung“

Podiumsdiskussion im Filmmuseum Potsdam am 15. Juli 2015.

Im Rahmen einer mehrteiligen Veranstaltungsreihe "Alte Länder, Neue Länder. Gemeinsame Herausforderungen und Perspektiven" anlässlich des 25. Jubiläums der Deutschen Einheit standen diesmal die Medien im Mittelpunkt: Wie haben sich Medien und Berichterstattung seit der Wiedervereinigung verändert? Welche Verantwortung tragen diese bei der Lösung von Problemen und dem Aufbrechen von Klischees und damit auch der "Mauer in den Köpfen"?

Podiumsdiskussion im Filmmuseum Potsdam
Podiumsdiskussion im Filmmuseum Potsdam
© Deutsche Gesellschaft
Podiumsdiskussion im Filmmuseum Potsdam

In ihrem Einführungsvortrag skizzierte Dagmar Rothacher, Leiterin des Arbeitsstabes der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, kurz die Entwicklung der Medien nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin und illustrierte Beispiele sich stetig verändernder Sichtweisen und wechselseitiger Einschätzungen von Ost- und Westdeutschen.

Christoph Singelnstein, der Chefredakteur des RBB, rief in seinem Impulsvortrag die Strukturen der Medienlandschaft der DDR in Erinnerung. Kritisch hob er den formal stark hierarchischen Aufbau und vor allem den direkten inhaltlichen Einfluss des Politbüros hervor. Dieser habe entscheidend dazu beigetragen, dass Rundfunk und Fernsehen in der DDR "keine Horte des Widerstands oder der Kritik" gewesen seien. Einzige Möglichkeit zur Bildung einer differenzierten Meinung sei das Westfernsehen und -radio gewesen. Bis zuletzt sei die Presse der DDR zensiert worden, was sich erst mit der von harten Interessenskonflikten geprägten Umstrukturierung der Medienlandschaft geändert habe.

Die auf dem Podium mitdiskutierende Leiterin des ZDF-Landesstudios Brandenburg, Britta Hilpert, und der Gründungsdirektor des ARD-Hauptstadtstudios, Jürgen Engert, berichteten, wie sie aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven, die Veränderungen in der Medienlandschaft nach der Wiedervereinigung erlebt hatten.

Kritisch wurde angemerkt, dass verkürzte Darstellungen in der heutigen Presse die Bildung und Verstärkung von Klischees befördern. Es sei heute schwieriger als früher, Sendezeit für differenzierte Berichterstattungen zur Verfügung zu erhalten. Eine Verantwortung sahen sie aber auch bei den Adressaten, die Inhalte kritischer hinterfragen könnten und sollten. Einigkeit bestand darin, dass die vereinte Medienlandschaft nach der Wiedervereinigung ihren Teil dazu beigetragen hat, eine gemeinsame bundesdeutsche Identität und darüber hinaus auch lokale Identitäten zu schaffen.
Die Moderation hatte Robert Ide, Chefredakteur der Berlin/Brandenburg Redaktion der Berliner Tageszeitung "Der Tagespiegel".

Die Veranstaltungsreihe "Alte Länder, Neue Länder. Gemeinsame Herausforderungen und Perspektiven" wird von der Deutschen Gesellschaft e.V. durchgeführt und von der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer unterstützt.