„Die moderne Arbeitswelt als soziale Herausforderung“

Podiumsdiskussion in der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin am 24. Juni 2015.

Welche markanten Entwicklungen gab es auf dem Arbeitsmarkt seit der Wiedervereinigung? - Welche Herausforderungen ergeben sich heute, speziell auch für die ostdeutschen Länder? Diese Fragen und weitere zur heutigen Arbeitswelt standen im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Podiumsdiskussion in der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin
Podiumsdiskussion in der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin
© Deutsche Gesellschaft
Podiumsdiskussion in der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin

In seinem Impulsreferat identifizierte Prof. Dr. Sebastian Brandl von der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit die Felder „Löhne und Qualifikation“, „Arbeitslosigkeit“ sowie „demografische Entwicklung und Fachkräftesicherung als zentrale Herausforderungen“. Der Transformationsprozess nach der Wiedervereinigung war gerade in diesen Bereichen mit gewaltigen Umbrüchen verknüpft, was den Menschen in Ostdeutschland viel abverlangte. Er zeigte auf, dass heute die ostdeutschen Länder sich weitgehend an die westdeutschen Länder angeglichen haben, auf einigen Feldern sogar den westdeutschen Ländern voraus seien. Dies gelte beispielhaft für das die Frage des gleichen Lohns für Männer und Frauen. Gerade Mecklenburg-Vorpommern komme hier eine Vorreiterrolle zu. Die Unterschiede sind im bundesdeutschen Vergleich hier am geringsten.

Über diese und andere Befunde diskutierten die Leiterin der Abteilung „Arbeit“ im Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales des Landes Mecklenburg-Vorpommern Dr. Antje Draheim, Prof. Dr. Sebastian Brandl und die Soziologin PD Dr. Holle Grünert vom Zentrum für Sozialforschung in.

Es wurde konstatiert, dass die zahlreichen arbeitsmarktpolitischen Programme in den ostdeutschen Ländern nach der Wiedervereinigung über die Jahre erfolgreich gewesen seien, man insoweit eine positive Zwischenbilanz ziehen könne. Weiterhin seien aber Unterschiede zwischen den Landesteilen zu sehen. Die demografische Entwicklung und die Anforderungen an eine moderne Arbeitswelt (z.B. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gesundheitsmanagement, veränderte Qualifikationsanforderungen) seien neue Herausforderungen, mit denen man umgehen müsse, und zwar in ganz Deutschland. Für Mecklenburg-Vorpommern wird ein Fachkräftebedarf gesehen, ohne hier schon von einem Mangel zu sprechen. Auf Sicht werde Fachkräftemangel aber ein Thema. Einig waren sich die Diskutanten, dass die strukturellen Probleme zwar bundesweit anzutreffen seien jedoch auf regionaler Ebene gelöst werden müssten. Interessant war die Feststellung, dass in Ost wie West die mittleren Generationen, die eine Schnittstellenfunktion in den Betrieben einnähmen, fehlen und nicht mehr kompensiert werden können. Der Mangel an gut bezahlten Industriearbeitsplätzen im ländlichen Raum begünstige zudem die Arbeitsmigration in die Metropolregionen. Dieser Befund sei aber in ganz Deutschland zu beobachten.

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