Demografische Entwicklung - Vorreiter Ostdeutschland

Ostdeutschland ist vom demografischen Wandel besonders stark und deutlich früher als die westdeutschen Länder betroffen. Auch im europäischen Vergleich kommt den neuen Ländern hier eine Vorreiterrolle zu. Der rapide Rückgang der Einwohnerzahl, insbesondere in der 90er Jahren, bei gleichzeitigem Anstieg des Durchschnittsalters hat die ostdeutsche Bevölkerungsstruktur mit weitreichenden Folgen für die nächsten Jahrzehnte verändert.

Im Zeitraum von 1990 bis 2012 wuchs die Bevölkerungszahl in Deutschland insgesamt um 2,8 Prozent. Während sie jedoch im früheren Bundesgebiet sogar um  + 6,7 Prozent stieg, nahm die Bevölkerung in Ostdeutschland im gleichen Zeitraum um 13,5 Prozent ab. Nach der Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Bundesamtes wird die Einwohnerzahl in Ostdeutschland bis 2030 voraussichtlich um weitere 14 Prozent zurückgehen. Damit wird in den nächsten 18 Jahren die Bevölkerung in den neuen Ländern noch stärker abnehmen als in den 22 vorangegangenen Jahren. In Westdeutschland wird der Bevölkerungsrückgang mit voraussichtlich rund 4 Prozent deutlich moderater ausfallen.

Regionale Unterschiede

Die demografische Entwicklung verläuft regional sehr unterschiedlich. Neben Regionen, die eine sehr positive wirtschaftliche und soziale Entwicklung aufweisen, gibt es auch viele, die weniger erfolgreich sind. Diese Entwicklungsvielfalt schlägt sich auch in großen Unterschieden der demografischen Entwicklung nieder, aus denen vor allem für die peripher gelegenen ländlichen Räume große Herausforderungen resultieren. Dazu gehören der Bevölkerungsrückgang, die selektive Abwanderung junger Menschen, die zunehmende Alterung der Bevölkerung, unzureichende Erwerbsmöglichkeiten, Defizite in der Infrastruktur- und Finanzausstattung der Kommunen und anders mehr.

Zukunft der Daseinsvorsorge

Die Abnahme der Bevölkerung und veränderte Altersstruktur wirken sich auf nahezu alle Versorgungsstrukturen der Daseinsvorsorge aus. Die sinkende Nutzerzahl nimmt Einfluss auf den wirtschaftlichen Betrieb und die Effizienz von Infrastruktureinrichtungen. Die Kosten für die Einrichtungen müssen von immer weniger Nutzern getragen werden. Demgegenüber entsteht infolge der sich verändernden Altersstruktur zusätzlicher Bedarf vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich. Die Gewährleistung einer bedarfsgerechten und finanzierbaren Versorgung der Bevölkerung gehört in den demografisch betroffenen Regionen zu einer der wichtigsten Zukunftsaufgaben. Die Entwicklung und Erprobungen von neuen Lösungsansätzen bis hin zur Neuorganisation der Daseinsvorsorge stehen dabei im Mittelpunkt.  

Handlungskonzept

Im Herbst 2011 wurde gemeinsam mit den ostdeutschen Ländern das Handlungskonzept „Daseinsvorsorge zukunftsfähig gestalten“ vorgelegt, das auf den Erfahrungen Ostdeutschlands im Umgang mit den demografischen Veränderungsprozesses fußt. Die neuen Länder sind somit nicht nur Vorreiter bei der demografischen Entwicklung, sondern ihnen kommt auch eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Bewältigungsstrategien zu.