| Rede

Grußwort des Ministerpräsidenten

Anlass
Festakt "20 Jahre Friedliche Revolution"
Datum
09.10.2009
Ort
Gewandhaus Leipzig
Redner
Stanislaw Tillich

(Es gilt das gesprochene Wort.)

Versetzen wir uns in die Situation vor 20 Jahren, an jenem Abend des 9. Oktober.

Zehntausende sind auf den Beinen. Leipziger; Menschen, die extra aus anderen Städten hierhin gereist sind.

Für jeden gibt es viele unterschiedliche Gründe, auf die Straße zu gehen:

Der eine will endlich reisen, oder er leidet unter der gesellschaftlichen Verkrustung, der politischen Unterdrückung. Der Andere will nicht hinnehmen, dass die Stasi weiter spitzelt und Menschen einsperrt. Wieder andere wollen die Mangelwirtschaft abschaffen, oder endlich die Umweltzerstörung beenden.

Eines haben alle gemeinsam: Die Demonstranten gehen für die Freiheit auf die Straße.

Mutig und weitsichtig sind diese Demonstranten am 9. Oktober …

… und genauso die Oppositionellen, die sich schon lange vor 1989 protestiert haben, und dafür einen hohen Preis zahlen mussten.

Mutig, weil niemand wusste, wie der DDR-Unrechtsstaat reagiert. Und weitsichtig, weil sie erkannt haben, dass es so mit der DDR nicht weitergehen kann - nicht weitergehen darf.

Die Hunderttausenden überall in der ehemaligen DDR kämpften nicht für sich allein. Sie demonstrierten für alle Bürger - für eine freie Gesellschaft.

Sie protestierten auch für diejenigen, die im Herbst 1989 noch nicht so weitsichtig und reif waren, das zu erkennen.

Der Blick zurück auf den Herbst ´89 erfüllt uns mit Hochachtung für diejenigen, die sich gegen die SED-Diktatur und für die Freiheit erfolgreich auflehnten.

Wir sind stolz, dass die Friedliche Revolution ihre Wurzeln hier in Sachsen hat.

Die Demonstranten haben unserem Land den Weg in die Freiheit geebnet.

Freiheit - das ist für uns in Sachsen, in Deutschland und auch für mich nach wie vor die bestimmende Idee unserer politischen Diskussion.

Die Freiheit zu garantieren, ist Aufgabe des Staates - frei zu sein, ein Recht jedes Einzelnen.

Mit Freiheit meinen wir auch den Mut, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen.

Diese Tugend ist nicht nur an historischen Wendepunkten gefragt, sondern jederzeit.

Dieser Festakt ist Würdigung und Erinnerung an den Mut der Demonstranten vor 20 Jahren. Aber nutzen wir den Festakt auch, um in die Gegenwart zu blicken.

Machen wir uns klar, dass diese Freiheit nicht selbstverständlich ist: Sie braucht das Engagement jedes Einzelnen, sie muss täglich neu errungen werden.

Wir können nach wie vor viel Inspiration aus dieser Phase des Aufbruchs in Deutschland ziehen.

Meinungsfreiheit, sein Leben in die Hand nehmen zu können; anzupacken in der Familie, im Beruf, im Ehrenamt:

Jeder hat dank der Friedlichen Revolution die Freiheit, seine Wünsche und Träume zu leben.

Und das ist eine sehr ermutigende Erkenntnis! Vielen Dank.