| Rede

"Eine beeindruckende Bilanz"

Anlass
Grußwort anlässlich des Sommerfestes des Fraunhofer IWU
Datum
16.06.2011
Ort
Chemnitz
Redner
Dr. Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Sehr geehrter Herr Prof. Neugebauer,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin mir der Tatsache bewusst, dass Sie sich nach den festlichen Reden bei der heutigen Grundsteinlegung und dem anschließenden Festakt zum 20-jährigen Jubiläum der Gründung des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik nun dem geselligen Teil des Tages, dem Sommerfest, zuwenden wollen. Ich verspreche daher, mich kurz zu fassen.

Dies fällt mir umso leichter, als ich sicher bin, dass die Leistungen des IWU und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon von den anderen Rednern umfassend gewürdigt und gelobt worden sind. Und das zu Recht. Denn die Ideenfabrik – wie das IWU sich selbst nennt – kann eine beeindruckende Bilanz vorweisen. Um nicht das zu wiederholen, möchte ich mich deshalb darauf beschränken, die Gratulation der Bundesregierung zu dieser überregional bedeutsamen Entwicklung zu überbringen.

Ich möchte zwei Aspekte mit Blick auf das IWU ansprechen, weil diese aus meiner Sicht über dieses Institut hinaus von besonderer Bedeutung für das Innovationsgeschehen in Ostdeutschland sind:

Zum einen: Bei der Gründung des IWU hat die Fraunhofer-Gesellschaft die regionalen Potenziale in den Fokus genommen und befunden, dass diese ausgebaut werden können. Dass dies für Chemnitz und das IWU ein richtiger Ansatz war, haben die letzten 20 Jahre eindrücklich bewiesen. Das Anknüpfen an den regionalen Stärken ist aber über diesen Einzelfall hinaus ein Erfolgsfaktor für positive Entwicklungen. Uhren aus Glashütte, Optik aus Jena, Mikroelektronik aus Dresden, - all diese Beispiele belegen, was sich auch im kleineren Maßstab feststellen lässt: Innovation und Produktion in Ostdeutschland funktionieren dort besonders gut, wo sie – wie auch hier in Chemnitz - an den historisch gewachsenen, regionalen Stärken anknüpfen.

Auch ein zweiter Aspekt der Erfolge des IWU, nämlich die Einbindung in (regionale) Netzwerke, lässt sich über diesen Standort hinaus verallgemeinern: Wichtig für nachhaltige Erfolge ist die Kooperation in Netzwerken, möglichst in solchen, die die gesamte Wertschöpfungskette abbilden. Dies gilt in Ostdeutschland umso mehr, als wir hier nach wie vor eine Wirtschaftsstruktur vorfinden, die durch ihre Kleinteiligkeit geprägt ist. Die sich aus dieser Kleinteiligkeit ergebenden Nachteile können aber in vielen Bereichen durch Kooperationen ausgeglichen werden. Dabei spielen in Ostdeutschland die öffentlichen Forschungseinrichtungen, dabei mit prominenter Rolle die Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft eine bedeutende Rolle. Ich möchte gerade in Anwesenheit des Präsidenten der Frauenhofergesellschaft für dieses wichtige Engagement in den neuen Bundesländern danken. Eine weiterhin wichtige Rolle spielen auch die gemeinnützigen, externen Industrieforschungseinrichtungen in Ostdeutschland: Sie können durch ihre Arbeit die gerade in kleineren Unternehmen fehlenden Forschungs- und Entwicklungskapazitäten ausgleichen. Das Anknüpfen an regionalen Stärken und die Bildung von Netzwerken stellt daher bei der Förderung des Bundes für Ostdeutschland einen wichtigen Aspekt dar. Stellvertretend für viele Maßnahmen möchte ich an dieser Stelle nur die Programmfamilie „Unternehmen Region“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nennen.

In meinen Ausführungen ist es gerade schon angeklungen: Es gibt noch spezifische Herausforderungen und Problemlagen in Ostdeutschland. Deswegen ist das Amt des Beauftragten für die Angelegenheiten der Neuen Länder auch nach wie vor wichtig. Allerdings hat sich die Bedeutung des „Aufbau Ost“ gewandelt und heute sind andere Herausforderungen zu bewältigen als zu Beginn der Deutschen Einheit. Dies ist auch ein deutliches Zeichen für den Erfolg des Zusammenwachsens von Ost und West. Die Aufgabe ist bescheidener und auch spezifischer geworden, weil sich die Interessen der ostdeutschen Länder und Regionen zunehmend differenzieren – ähnlich wie in ganz Deutschland. Die Interessenlagen verlaufen immer seltener entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Auf zwei der spezifischen Herausforderungen, die sich im Osten in einem gesamtdeutschen Kontext stellen, möchte ich eingehen, den demografischen Wandel und die „Energiewende“.

Der demografische Wandel ist eines der zentralen Themen auf Bundes- und Landesebene, das nur im Miteinander von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erfolgreich bewältigt werden kann. Denn: Die Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung sind vielschichtig, komplex und betreffen nahezu alle Arbeits- und Lebensbereiche. Da alle Politikfelder betroffen sind, ist es eine echte Querschnittsaufgabe, d.h. es betrifft alle Ressorts. Die Federführung für die Erstellung eines Berichtes zur Demografischen Lage und darauf aufbauend für die bis 2012 zu erstellenden Demografiestrategie ist dem BMI übertragen worden.

Wie sie wissen, sind die ostdeutschen Länder von der demografischen Entwicklung bereits heute deutlich stärker betroffen als die westdeutschen. Die damit verbundenen Konsequenzen stellen insbesondere die regionale Ebene bei der Sicherung der infrastrukturellen Daseinsvorsorge vor große Herausforderungen. Hier bedarf es einer Verbindung von technischen Innovationen, alternativen Angebotsformen und flexiblen Lösungen.

Derzeit wird in unserem Arbeitsstab zusammen mit den Neuen Ländern (außer Berlin) als Pilotprojekt ein Handlungskonzept für eine übergreifende Demografiestrategie zur Sicherung der öffentlichen und privaten Infrastruktur in den ländlichen Regionen erarbeitet. Flankierend werden in sechs Modellprojekten in den ostdeutschen Ländern neue Ansätze zum Umgang mit den demografischen Herausforderungen entwickelt. Die Ergebnisse werden auf einer öffentlichen Veranstaltung Anfang November 2011 präsentiert. Ostdeutschland hat hier also eine wichtige Vorreiterrolle.

Aus aktuellem Anlass ist ein neues wichtiges Thema, wie sich die Energiewende auf Ostdeutschland auswirken wird. Das Energiekonzept bis 2050 ist ein ambitioniertes Programm, aber ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können.

Für die ostdeutsche Wirtschaft bietet es folgenden Vorteil: Hier existieren viel Wissen und unternehmerische Erfahrungen, die gebraucht werden, wenn die Energiewende gelingen soll. Für die neuen Länder ist diese Entwicklung daher eine riesige Chance. Es entstehen neue Märkte, auf denen ostdeutsche Unternehmen auf Augenhöhe mitspielen und wachsen können. Bereits heute hat Ostdeutschland ein internationales Renommee auf diesem Gebiet. Die Agentur für Erneuerbare Energien hat wiederholt ostdeutsche Bundesländer als Vorreiter der Erneuerbaren Energien ausgezeichnet. Erneuerbare Energien sind in Ostdeutschland beliebt. Ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren Energien kommt dieser Region entgegen.

Im Bereich Erneuerbare Energien weise ich auch auf die Cleantech-Initiative Ost des Beauftragten hin. Der Entwicklung von Cleantech kommt unserer Ansicht nach eine Schlüsselrolle für die weitere Entwicklung der neuen Länder zu. Und Cleantech ist mehr als nur Photovoltaik. In Ostdeutschland gibt es bereits vielen gute Ideen, Projekte und Kompetenzen mit Klima- und Umweltschonenden Technologien. Mit der Initiative wollen wir Cleantech-Unternehmen länder- und branchenübergreifend besser vernetzen. Ziel ist, nicht zuletzt die Absatzchancen der Unternehmen zu verbessern und neue Märkte im Ausland zu erschließen. Das Projekt läuft gerade erst an und wir sind noch in der konzeptionellen Phase. Wer von Ihnen im Bereich Cleantech tätig ist, den lade ich herzlich ein, bei der Cleantech-Initiative Ostdeutschland mitzuarbeiten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

hier schließt sich der Kreis wieder zum IWU. Denn neben der Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen spielt für den Klima- und Umweltschutz die Einsparung von Energie eine wesentliche Rolle. Insofern begrüße ich es ausdrücklich, dass in der neuen Forschungsfabrik, für die heute der Grundstein gelegt wurde, nicht nur die Materialeffizienz gesteigert werden soll, sondern die Forscher sich auch der Frage annehmen werden, wie im Produktionsprozess Energie eingespart werden kann bzw. „Energieverluste“ (durch Abwärme z. B.) wieder für andere Bereiche und Aufgaben rückgewonnen werden können. Die für möglich gehaltene Einsparung von bis zu 30 % zeigt, welche wirtschaftliche – aber auch welche umweltpolitische Bedeutung in diesem Thema liegt. Die Ideenfabrik IWU baut mit der Forschungsfabrik also wirklich Zukunft. Ich bin sicher, dass dabei die bisherigen Erfolge fortgeschrieben werden. Für diesen Weg wünsche ich dem IWU und all seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles erdenklich Gute.