Meldung
02.07.2015

Auftaktveranstaltung zur Projektreihe „Die Lausitz an einen Tisch“

Ostbeauftragte Iris Gleicke: „Die Lausitz hat Zukunft, aber es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit“

Am 26. Juni 2015 fand in Großräschen der feierliche Auftakt für das Projekt „Die Lausitz an einen Tisch“ statt. Mit dem Projekt soll in den nächsten 15 Monaten im Rahmen von „Erzählsalons“ die Lebenserfahrung der Lausitzer Bürgerinnen und Bürger erschlossen und zusammengetragen werden, um gemeinsam Perspektiven für eine lebenswerte Lausitz zu entwerfen.

Iris Gleicke bei der Eröffnung des Projektes „Die Lausitz an einen Tisch“ in Großräschen
Iris Gleicke bei der Eröffnung des Projektes „Die Lausitz an einen Tisch“ in Großräschen
© © André van Uehm
Iris Gleicke bei der Eröffnung des Projektes „Die Lausitz an einen Tisch“ in Großräschen

Die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Iris Gleicke, hat bei der Auftaktveranstaltung zum „Erzählsalon“-Projekt „Die Lausitz an einen Tisch“ hervorgehoben, dass die Bürgerinnen und Bürger in den neuen Bundesländern stolz auf das sein können, was sie in den letzten 25 Jahren geleistet haben. „Die Ostdeutschen haben in diesem alle Lebensbereiche umfassenden Transformationsprozess eindrucksvoll gezeigt, dass sie ‚Veränderung‘ können und über ein großes Erfahrungs- und Kreativpotential verfügen. Ihre Lebenserfahrung ist von unschätzbarem Wert, denn es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit“, so Gleicke. Die Erzählsalons seien der richtige Weg, um diesen Erfahrungsschatz zusammenzutragen und daraus neue Zukunftsideen zu entwickeln.

Das von der Ostbeauftragten unterstützte Projekt hat zum Ziel, die Gemeinschaftsbildung in der Lausitzer Region zu unterstützen und Initiativen für die Zukunft zu fördern oder neu anzustoßen. Das Projekt wird von Rohnstock Biografien in Kooperation mit dem IBA-Studierhaus Lausitzer Seenland e.V. in fünf Lausitzer Gemeinden durchgeführt.

Katrin Rohnstock, Inhaberin von Rohnstock Biografien und Initiatorin des Projektes stellte das Projektkonzept vor und betonte, dass das Beieinandersitzen und Erzählen eine sehr alte und sehr wirkungsvolle Möglichkeit sei, Menschen zueinander zu bringen und Erfahrungen auszutauschen. Dabei gehe es keinesfalls nur um das Erzählen von Erfolgsgeschichten, sondern es sei genauso wichtig Frust und Enttäuschung mitzuteilen. Da das moderne Leben kaum Raum und Zeit dafür lasse, müsse Raum und Zeit hierfür bewusst z.B. im Veranstaltungsformat des Erzähl-Salons organisiert werden. „Der Erzähl-Salon kann wie ein Zaubermittel wirken. Im Erzähl-Salon werden die Bedürfnisse, aber auch die Potenziale der Erzähler deutlich. So können füreinander Hilfsstrukturen und gemeinsam Zukunftsperspektiven entwickelt werden. Viele Menschen in der Lausitz sind resigniert. Ihnen zuzuhören, ihre Erfahrung ernst zu nehmen, dass ist der erste Schritt, um neue Bürgerbeteiligungen zu initiieren“, so Rohnstock.

Prof. Rolf Kuhn, Vorsitzender des IBA-Studierhaus e.V. und von 1998 bis 2010 als damaliger Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land Zeichen setzend mit innovativer Projektarbeit in der Lausitz aktiv, stellte die ausgewählten Projektstandorte in den fünf ländlich geprägten Gemeinden Lauchhammer, Plessa, Gartenstadt Marga, Geierswalde und Sedlitz vor.

Das nun startende Projekt könne dabei an die Erfahrungen und Akteursvernetzungen der IBA-Arbeit anknüpfen. „Ich freue mich, dass über die Methode der Erzählsalons nun fünf Jahre nach der IBA auf neue Weise kollektive Identitäten von unten befördert werden, welche die Menschen dazu ermutigen und aktivieren, sich einer Neubelebung ihres Lebensumfeldes an den jeweiligen Projektstandorten zu widmen“, so Kuhn.

Dr. Ralph Richter vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) , das das Projekt wissenschaftlich begleiten wird, richtet seinen Forschungsfocus auf die Frage wie es den Beteiligten über innovative Projekte gelingt, aus der für so viele ländliche Gemeinden typischen Abwärtsspirale herauszukommen. „Wir wollen herausfinden, wie die Erzählsalons als besondere Form der Kommunikation das Miteinander in den Gemeinden stärken und wie sich daraus Impulse für neuartige Entwicklungen und Initiativen ergeben“, so Dr. Richter.

Diesen Redebeiträgen folgte ein erster Erzählsalon mit Repräsentanten der einzelnen Projektstandorte. Dabei zeigten sich unterschiedlichste Geschichten und Sichtweisen auf das Thema „Eine Heimat finden.“

Der Erzählsalon wurde musikalisch mit Liedern aus der Feder des legendären Lausitzer Baggerfahrers Gerhard Gundermann begleitet und steht nun als gemeinschaftlicher Anstoß für die folgenden Erzählsalon-Reihen. Die Menschen dort zum Erzählen einzuladen heißt, sie in Austausch und Kontakt zueinander zu bringen. Indem sich ihnen über die Erzählsalons im Kreis achtsamer Zuhörer ein ermutigender Raum für ihre brach liegenden Visionen eröffnet, haben diese eine Chance, neu aufzuleben.