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08.10.2013

Ostbeauftragter Dr. Bergner am Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart "Von ostdeutschen Konzepten zum demografischen Wandel können auch Regionen im Westen Deutschlands profitieren."

Ostbeauftragter berichtet von seinen politischen Initiativen und von seinen persönlichen Erlebnissen bei der Wiedervereinigung.

Die diesjährigen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart waren für den Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer Dr. Christoph Bergner ein willkommener Anlass, sich auf der Bühne im Zelt der Verfassungsorgane Fragen zu seinen persönlichen Erlebnissen, die mit diesem Ereignis verbunden sind, zu stellen und über seine politischen Initiativen zu informieren. Für Dr. Bergner hat die Wiedervereinigung seinen weiteren Werdegang ganz maßgeblich beeinflusst: Nach 40 Jahren als Bürger in der DDR habe er sich damals für ein Engagement in der Politik entschieden.

Besonders glücklich gemacht habe ihn ein einschneidendes Erlebnis vor einer Kaserne der Nationalen Volksarmee (NVA), an der er in der Nacht zum 3. Oktober vorbeigekommen sei. "Bei dem um Mitternacht erfolgten Fahnenwechsel der NVA Fahne zur Fahne der Bundeswehr wurde mir klar, dass es mit dem bohrenden Konflikt, dass im Ernstfall Deutsche hätten auf Deutsche schießen müssen, nun vorbei war."

Auf die Frage des Moderators, ob das Amt des Beauftragten 25 Jahre nach dem Mauerfall noch erforderlich sei, antwortete Dr. Bergner: "Allein diese Frage zeigt schon, dass wir in und für Ostdeutschland tatsächlich viel erreicht haben und dies auch so empfunden wird. In vielen Bereichen können wir bereits von gleichwertigen Lebensverhältnissen sprechen. Allerdings gibt es noch einiges zu tun, um die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands zu stärken. Und viele ostdeutsche Regionen stehen schon jetzt vor besonderen Herausforderungen durch Auswirkungen des demografischen Wandels." Hierdurch sieht der Ostbeauftragte die Notwendigkeit einer weiteren Unterstützung der neuen Länder begründet, jedenfalls bis zum Auslaufen des Solidarpaktes in Jahr 2019.

Mit Blick auf den demografischen Wandel erklärte er, dass die Fachkräftesicherung zwar in erster Linie Sache der Unternehmen sei. In Ostdeutschland habe jedoch die massive Abwanderung insbesondere von jungen und gut ausgebildeten Menschen nach der Wiedervereinigung zu einer besonderen Situation geführt, auf die die Politik habe reagieren müssen. Als Ostbeauftragter habe er angesichts des drohenden Fachkräftemangels im Jahr 2011 die Fachkräfteinitiative in Zukunftsfeldern in Ostdeutschland ins Leben gerufen. "Hier müssen Politik, Kammern und Sozialpartner mit den Unternehmen zusammen wirken. Gerade die kleineren und mittleren Unternehmen in Ostdeutschland dürfen wir mit diesem Problem nicht alleine lassen", so Dr. Bergner. Fachkräftesicherung sei aber nicht nur ein Thema für die ostdeutschen Bundesländer, sondern zunehmend ein bundesweites Problem. Hier könnten die ostdeutschen Erfahrungen und Lösungsansätze genutzt werden.

Eine weitere wichtige Aufgabe sei es, für die Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen kreative Lösungen zu entwickeln. Insoweit sei er sehr stolz auf das Projekt "KombiBus", das vom Beauftragten initiiert wurde, und das gerade vom österreichischen Verkehrsclub einen internationalen Preis erhalten habe. Da der demografischen Wandel ganz Deutschland und auch Europa erfasse, könne dieses in Ostdeutschland entwickelte Projekt auch für ganz Deutschland und sogar international ein anregendes Modell sein.

Der Beauftragte sprach auch in diesem Jahr wieder an seinem Stand mit interessierten Besucherinnen und Besuchern. Er war erfreut darüber, dass sich viele Besucher über das Programm "Zusammenhalt durch Teilhabe" informierten. Dieses Programm für Demokratie und gegen Extremismus, wurde auf seine Initiative gestartet und wegen seines großen Erfolges 2013 auch auf westdeutsche Bundesländer ausgeweitet.

Weitergehende Informationen zur Politik des Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer enthält die Website des Beauftragten. Dort finden Sie auch das Quiz zur Deutschen Einheit und zu den neuen Ländern, das auf großes Interesse der Besucherinnen und Besucher des Tages der Deutschen Einheit stieß.