Interview
03.11.2010

"Völlig normal, Karriere und Familie zu verbinden"

Interview mit Astrid Stolze, Direktorin der Mercedes Benz Niederlassung in Magdeburg, anlässlich des Kongresses "Frauen machen Neue Länder"

Was unterscheidet Sie als Frau mit ostdeutschen Wurzeln von ihren Kolleginnen im Westen?

Für mich ist es völlig normal, Karriere und Familie zu verbinden. Ich habe eine vierjährige Tochter und habe trotzdem einen verantwortungsvollen Job. Diese Einstellung ist meiner Meinung nach im Westen noch nicht so angekommen.

Womit kann der Osten werben?

In den neuen Bundesländern gibt es eine tolle Infrastruktur was Kitas und Kindergärten angeht. Ich wohne in Sachsen-Anhalt und meiner Erfahrung nach gibt es hier genügend Plätze. Das ist die Grundvoraussetzung – zumindest für junge Mütter, die in ihrer Karriere noch nicht so weit vorangeschritten sind und sich keine eigene Kinderfrau leisten können. Ich persönlich habe mich auch für eine Kita entschieden, weil ich wollte, dass meine Tochter mit anderen Kindern zusammenkommt. Im Osten stößt man als Frau in einer Führungs- oder Managementposition außerdem auf weniger Vorurteile. Für meine Kundschaft ist es völlig normal, dass eine Frau in der Unternehmensleitung sitzt. Die „Rabenmutter-Diskussion“ habe ich im Osten noch nicht erlebt.

Wenn Sie auf Ihre berufliche Laufbahn zurückschauen: Welche Faktoren haben Ihnen zum Aufstieg verholfen?

Das war mein Ehrgeiz – der eigene Wille ist das entscheidende. Ich wollte schnell auf eine Ebene kommen, wo ich eigene Entscheidungen treffen kann. Und in einem hierarchischen Unternehmen muss man dafür eben ganz nach oben kommen. Das habe ich durch Fleiß und harte Arbeit geschafft. Ich hatte darüber hinaus das Glück, Mentoren an meiner Seite zu haben, die mir Türen geöffnet haben. Durchgegangen bin ich aber alleine.

Wie vereinbaren Sie ihre Rolle als Mutter mit ihrem Beruf?

Manchmal zweifel ich daran, ob ich meiner Rolle als Mutter vollkommen gerecht werden kann. Die Arbeit ist insbesondere in so einer Vertriebsfunktion wie ich sie ausübe sehr dominant. Dennoch: Die Kindererziehung, die ich mir mit meinem Lebensgefährten teile, darf nicht zu kurz kommen. Auch die Großeltern springen ein und unterstützen uns. Das Wochenende ist für unsere Tochter reserviert. Die Zeit schaufeln wir uns frei. Wir gehen  zusammen ins Schwimmbad oder ins Theater, machen Fahrradtouren oder ähnliches. Fernsehen ist dann tabu – es geht darum, gemeinsam Erlebnisse zu schaffen.

Würden Sie auch wieder in den westdeutschen Ländern arbeiten?

Ich habe schon in verschiedenen westdeutschen Städten gearbeitet und habe gute Erinnerungen daran. Auch viele Freundschaften und nette Bekanntschaften habe ich geschlossen. Ich würde auch wieder dort arbeiten. Insgesamt habe ich aber festgestellt, dass das Umfeld und die Sozialisation im Osten anders sind. Im Osten werde ich nicht gefragt, ob ich nicht meine Familie vernachlässige bei so einem Job.

(Die Fragen stellte Agnes-Maria Breitkopf.)