Interview
03.11.2010

"Was zählt sind Leistung und Befähigung "

Interview mit Dipl. Pädagogin Diana-Lydia Wade, Hauptmann und erste Kompaniechefin der Bundeswehr in Sachsen-Anhalt, anlässlich des Kongresses "Frauen machen Neue Länder"

Diana-Lydia Wade

Was unterscheidet Sie als Frau mit ostdeutschen Wurzeln von ihren Kolleginnen im Westen?

Ich bin viel in Deutschland unterwegs aufgrund meines Berufes als Soldatin. Alle zwei Jahre werde ich an einen anderen Standort versetzt. Mir ist aufgefallen, dass die Erziehung in Ostdeutschland eine wesentlich andere ist als im Westen. Ich bin selber in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Für mich war es völlig normal, von morgens 5 Uhr bis abends 20 Uhr in der Ganztagsbetreuung zu sein. Für mich war es auch normal und selbstverständlich, dass beide Eltern arbeitstätig waren. Und durch dieses vorgelebte Bild, das eben keine Frau am Herd darstellt, habe ich bereits ein ganz anderes Verständnis von Frauen und Arbeit.

Womit kann der Osten werben?

Im Osten gibt es viele moderne, junge Firmen. Man hat bereits mit Mitte 20 Chancen in einem guten Unternehmen zu starten. Ich empfinde den Osten als peppiger und weniger eingestaubt. Wer hier gute Ideen hat und pfiffig und selbstbewusst auftritt, der hat meines Erachtens bessere Chancen als im Westen. Der Schulabschluss ist gar nicht das entscheidende.

Wenn Sie auf Ihre berufliche Laufbahn zurückschauen: Welche Faktoren haben Ihnen zum Aufstieg verholfen?

Bei der Bundeswehr sind wir weit von Quotenregelungen, spezieller Frauenförderung und Teilzeitregelungen entfernt. Das einzige was zählt sind Leistung und Befähigung – egal, ob Mann oder Frau. Was mich persönlich weitergebracht hat, war Disziplin, gute Organisationsfähigkeit und ein Dickschädel, der sich gegen die alten Strukturen in einem männlich dominierten Arbeitsumfeld durchsetzen kann. Ganz wichtig war und ist natürlich auch der Rückhalt, den ich von meiner Familie und meinem Ehemann bekomme.

Wie steht Ihr Ehemann zu Ihrer beruflichen Karriere?

Mein Mann ist auch im Osten aufgewachsen. Für ihn ist es selbstverständlich, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind. Er ist dieses Jahr erst selber aus der Bundeswehr als Hauptfeldwebel ausgeschieden. Während seiner Zeit bei der Bundeswehr hatten wir sogar ein Unterstellungsverhältnis. Aber für ihn zählt die Person – nicht der Beruf, die Religion, das Alter oder Geschlecht. Wir sind daher absolut gleichberechtigt und auf einer Stufe.

Wie sieht es aus mit Kindern?

Wir haben noch keine Kinder. Bisher hatten wir unser Leben immer so gut strukturiert, dass es keine Pausen für die Kinderplanung gab. Aber geplant sind Kinder für die Zukunft schon. Und ich habe die Hoffnung, dass wir unser Leben um die Kinder herum organisiert bekommen.

Würden Sie auch im Westen arbeiten?

Diese Teilung in Ost und West finde ich sehr schade. 20 Jahre nach der Wiedervereinigung sollten wir nicht mehr von „Ossis“ und „Wessis“ sprechen. Wir haben ein wunderschönes Land – nämlich Deutschland. Ich habe selber schon in München, Heidelberg, Hamburg und Bremen gearbeitet. Da habe ich gesehen, wie viel Deutschland zu bieten hat. Die Unterscheidung zwischen Nord, Süd, Ost oder West finde ich überholt. Dennoch fühle ich mich mit Sachsen sehr verbunden.

(Die Fragen stellte Agnes-Maria Breitkopf.)