Ostbeauftragte Gleicke: Mindestlohn stärkt Beschäftigte in Ostdeutschland

Stundenlöhne unterhalb von 8,50 Euro waren vor Einführung des Mindestlohns unter ostdeutschen Betrieben und Beschäftigten deutlich häufiger verbreitet als in den westdeutschen Bundesländern. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des repräsentativen IAB-Betriebspanels Ostdeutschland 2014.

Zentrale Ergebnisse des IAB-Betriebspanels

Angesichts des seit dem 1. Januar 2015 allgemeingültigen flächendeckenden Mindestlohns wurden die Betriebe zur potenziellen betrieblichen Reichweite als auch zur Beschäftigungsreichweite des Mindestlohns befragt: In Ostdeutschland waren 2014 in fast jedem vierten Betrieb (23 Prozent) Beschäftigte mit Stundenlöhnen unterhalb von 8,50 Euro tätig (Westdeutschland 9 Prozent). Insgesamt lag der Anteil der Beschäftigten in diesem Lohnsegment an allen Beschäftigten in Ostdeutschland bei 11 Prozent (Westdeutschland 3 Prozent).

Zudem sind Anzahl der Betriebe und die Beschäftigtenzahl wie bereits in den Vorjahren weiter angestiegen. Mitte 2014 gab es in Ostdeutschland über 438.000 Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Hier waren insgesamt 6.650.000 Beschäftigte tätig und damit gut 1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Vor dem Hintergrund der günstigen Arbeitsmarktlage ist 2014 die Nachfrage nach Fachkräften weiter angestiegen. Gleichzeitig haben aber auch die Schwierigkeiten der Betriebe zugenommen, ihre Arbeitsplätze zu besetzen. Erfreulich ist, dass die Ausbildungsbeteiligung in Ostdeutschland erstmals seit vielen Jahren wieder zugenommen hat und bei 44 Prozent liegt.

Ein Themenschwerpunkt der Befragung in 2014 war die Einbeziehung von Frauen in Führungspositionen: Nach wie vor wird Frauen in Ostdeutschland sowohl auf der ersten (30 Prozent), als auch auf der zweiten Führungsebene (45 Prozent) häufiger Führungsverantwortung übertragen als in Westdeutschland (24 bzw. 38 Prozent).

Was ist das IAB-Betriebspanel?

Das IAB-Betriebspanel ist eine seit 1996 erhobene, jährliche repräsentative Arbeitgeberbefragung. Jährlich werden von Ende Juni bis Oktober bundesweit knapp 16.000 Betriebe aller Wirtschaftszweige und Größenklassen befragt. Die Befragung wird in persönlich-mündlichen Interviews von TNS Infratest Sozialforschung, München im Auftrag des IAB durchgeführt. Diese repräsentative Betriebsbefragung umfasst ein breites Fragenspektrum zu einer Vielzahl beschäftigungspolitischer Themen, die in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht werden. Angesichts des seit dem 1. Januar 2015 allgemeingültigen flächendeckenden Mindestlohns wurden die Betriebe auch zur potenziellen betrieblichen Reichweite als auch zur Beschäftigungsreichweite des Mindestlohns befragt. Ergänzt wird das jährliche Standard-Fragenprogramm um jeweils aktuelle Themenschwerpunkte.

Detaillierte Ergebnisse der IAB-Betriebspanels für Ostdeutschland für die Jahre ab 2007 finden Sie nachstehend. Ergebnisse für vorangegangene Jahre erhalten Sie beim Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).